Ramadan in Deutschland: Sahur und Iftar richtig ablesen

Die Länge eines Fastentages hängt davon ab, wo man sich befindet und in welche Jahreszeit der Ramadan fällt. In Deutschland ist der Unterschied zwischen Nord und Süd größer, als viele erwarten — und er wächst, je weiter der Ramadan in den Sommer rückt. Dieser Artikel erklärt, wie man die eigenen Zeiten richtig abliest.

Zwei Zeiten zählen

Das Fasten beginnt mit dem Eintritt von Fajr und endet mit dem Eintritt von Maghrib, also dem Sonnenuntergang. Die häufig genannte Sahur-Zeit ist keine eigene Gebetszeit, sondern schlicht der Zeitpunkt, an dem man vor Fajr mit dem Essen aufhört. Viele Kalender drucken deshalb Fajr und Imsak als dieselbe Zeile, andere ziehen für Imsak einige Minuten Vorsicht ab.

Warum Nord und Süd auseinandergehen

Auf höheren Breiten sind die Sommertage länger und die Winterttage kürzer. Fällt der Ramadan in den Sommer, fastet man in Hamburg auf 53,6 Grad Nord spürbar länger als in München auf 48,1 Grad. Fällt er in den Winter, kehrt sich das Verhältnis um. Dazu kommt der Längengrad: In Aachen geht die Sonne rund zwanzig Minuten später unter als in Frankfurt an der Oder, weil sie dort später ankommt.

Die eigene Stadt statt einer Landesliste

Weil Sonnenstand und Zeitzone zusammenwirken, gibt es keine bundesweit gültige Iftar-Zeit. Selbst innerhalb des Ruhrgebiets unterscheiden sich Duisburg und Dortmund messbar. Nimm deshalb immer die Tabelle für deine eigene Stadt und nicht die einer größeren Nachbarstadt.

Die neun Minuten beim Iftar

Wer einen DİTİB-Aushang neben eine App mit MWL-Einstellung legt, sieht beim Maghrib häufig einen Abstand von etwa neun Minuten. Der Grund sind die Vorsichtsminuten, die Diyanet auf den Sonnenuntergang addiert. Für das Fastenbrechen ist das kein akademischer Punkt: Die spätere Zeit ist die vorsichtige. Wenn deine Gemeinde nach Diyanet geht, halte dich an ihren Aushang.

Der Hochsommer-Ramadan

Fällt der Ramadan in die Wochen um die Sommersonnenwende, verschwindet in Deutschland die astronomische Nacht und die Zeit zwischen Iftar und Sahur wird sehr kurz. Viele Gemeinden veröffentlichen dann angepasste Zeiten. Das ist der Hauptgrund, warum im Hochsommer verschiedene Kalender besonders weit auseinanderliegen — mehr dazu in unserem Artikel über Fajr und Isha im deutschen Sommer.

Praktischer Rat

Lade dir zu Beginn des Monats die Tabelle deiner Stadt herunter oder speichere die Seite, damit du nicht jeden Tag suchen musst. Prüfe zu Monatsbeginn einmal, ob deine App dieselbe Methode verwendet wie deine Moschee. Und plane den Iftar mit ein paar Minuten Puffer — der Unterschied zwischen zwei Kalendern ist im Zweifel kleiner als die Zeit, die das Essen auf dem Tisch braucht.

→ Gebetsrichtung finden — Live-Qibla-Kompass