2026-09-08
Gebetsrichtung in Deutschland: Warum die Qibla nach Südosten zeigt
Mekka liegt von Deutschland aus in südöstlicher Richtung. Für Berlin sind es 137 Grad ab geografisch Nord, für Köln 127 Grad — ein Unterschied von zehn Grad auf einer Strecke, die man in fünf Autostunden zurücklegt. Warum der Winkel überhaupt von Stadt zu Stadt wandert und warum ein Blick auf die Weltkarte hier in die Irre führt, erklärt dieser Artikel.
Die Qibla ist eine Peilung, keine Himmelsrichtung
Die Qibla ist der kürzeste Weg über die Erdoberfläche von deinem Standort zur Kaaba bei 21,4225 Grad Nord und 39,8262 Grad Ost. Dieser kürzeste Weg heißt Großkreis oder Orthodrome. Weil die Erde eine Kugel ist, verläuft er nicht als gerade Linie über eine flache Karte. Angegeben wird die Qibla als Winkel im Uhrzeigersinn ab Nord: 0 Grad ist Norden, 90 Grad Osten, 180 Grad Süden.
Die Werte für deutsche Großstädte
Von Nord nach Süd und von West nach Ost verschiebt sich der Winkel spürbar. Hamburg liegt bei 133 Grad, Berlin bei 137, Düsseldorf und Duisburg bei 127, Köln bei 127, Frankfurt bei 128, Stuttgart bei 127 und München bei 130 Grad. Für Wien sind es 137, für Zürich 125 Grad. Die Faustregel lautet: je weiter östlich, desto größer der Winkel, weil man dann stärker nach Süden als nach Osten blicken muss.
Wie weit ist die Kaaba entfernt?
Auf dem Großkreis gerechnet liegt Mekka von München 3.891 Kilometer entfernt, von Stuttgart 4.073, von Berlin 4.130, von Frankfurt 4.192, von Köln 4.345, von Düsseldorf 4.374 und von Hamburg ebenfalls 4.374 Kilometer. Von Wien sind es nur 3.637 Kilometer — Österreich liegt deutlich näher an Mekka als Norddeutschland.
Warum die Landkarte täuscht
Auf der üblichen Mercator-Weltkarte sieht es so aus, als müsste man von Deutschland aus fast direkt nach Südosten Richtung Ägypten zielen. Diese Karte verzerrt jedoch: Sie bildet die Kugel auf ein Rechteck ab und dehnt dabei die höheren Breiten. Der tatsächlich kürzeste Weg verläuft anders, als das Kartenbild nahelegt. Deshalb sollte man die Qibla nie mit dem Lineal auf einer Weltkarte abgreifen, sondern immer rechnen lassen.
Vom Winkel zur tatsächlichen Ausrichtung
Der berechnete Wert bezieht sich auf geografisch Nord. Ein Handy- oder Wanderkompass zeigt dagegen auf den magnetischen Nordpol, und zwischen beiden liegt die magnetische Deklination. In Deutschland beträgt sie derzeit etwa drei bis fünf Grad östlich, mit Unterschieden zwischen West und Ost. Auf jeder Stadtseite geben wir deshalb zusätzlich den Wert an, den du auf einem gewöhnlichen Magnetkompass einstellen musst.
Wie genau muss es sein?
In der klassischen Rechtsliteratur gilt für jemanden, der die Kaaba nicht sehen kann, die ungefähre Richtung — arabisch dschiha — als ausreichend; kleine Abweichungen machen das Gebet nach dieser Auffassung nicht ungültig. Die Empfehlung bleibt trotzdem, die genauestmögliche Richtung anzustreben. Ein kalibriertes Handy erreicht etwa fünf Grad Genauigkeit, was auf die Entfernung nach Mekka völlig ausreicht.