DİTİB, IGMG, VIKZ, ZMD: Wer in Deutschland welche Gebetszeiten aushängt

In Deutschland gibt es keine staatliche oder verbandsübergreifende Stelle, die Gebetszeiten festlegt. Jede Gemeinde entscheidet selbst, welchem Kalender sie folgt. Wer verstehen will, warum die Moschee im Nachbarort andere Zeiten aushängt, sollte die Landschaft der Verbände kennen.

DİTİB — der größte Verband

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz DİTİB, ist der deutsche Zweig der türkischen Religionsbehörde Diyanet und betreut rund 900 Gemeinden. Ihre Moscheen hängen den Diyanet-Kalender aus. Diyanet berechnet für deutsche Städte eigene Zeiten und veröffentlicht sie über die Bundesländer hinweg — von Schleswig-Holstein bis Bayern. Wenn du in Deutschland in eine türkischsprachige Moschee gehst, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kalender an der Wand.

IGMG, VIKZ und ZMD

Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş, der Verband der Islamischen Kulturzentren und der Zentralrat der Muslime in Deutschland betreuen jeweils eigene Gemeindenetze. Ihre Kalender folgen nicht zwingend derselben Berechnung wie DİTİB. Dazu kommen arabischsprachige, bosnische, albanische, afghanische und südasiatische Gemeinden, die häufig die Muslim World League oder die Methode ihres Herkunftslandes verwenden.

Wie groß der Unterschied ist

Zwischen der Diyanet-Berechnung und einer reinen MWL-Einstellung liegen in Deutschland typischerweise: sieben Minuten beim Sonnenaufgang, fünf Minuten beim Mittag, vier beim Nachmittag, neun beim Sonnenuntergang und sechs beim Nachtgebet. Das haben wir am 8. September 2026 für Berlin gemessen. Nur Fajr stimmte auf die Minute überein. Für die meisten Gebete sind das Minuten, für das Fastenbrechen im Ramadan ist es ein spürbarer Unterschied.

Warum es überhaupt Unterschiede gibt

Die Differenz entsteht nicht durch verschiedene Astronomie, sondern durch zwei Entscheidungen: den Dämmerungswinkel für Fajr und Isha und die Vorsichtsminuten, die auf die berechneten Werte addiert werden. Diyanet rechnet mit 18 und 17 Grad und addiert Vorsichtsminuten auf Sonnenaufgang, Mittag, Nachmittag und Sonnenuntergang. Die Muslim World League nutzt dieselben Winkel, verzichtet aber auf die Aufschläge.

Was QiblaTap zeigt

Für Deutschland, Österreich, die Schweiz, die Niederlande und Belgien folgen wir der Diyanet-Berechnung, weil sie über die genannten Zweige die verbreitetste Quelle ist. Geprüft haben wir das gegen den offiziellen Kalender: In Berlin und Köln stimmen alle sechs Zeiten exakt, in Hamburg, München, Wien und Amsterdam liegt die größte Abweichung bei einer Minute. Welche Methode für eine Stadt gilt, steht unter jeder Tabelle.

Der praktische Rat

Wenn du regelmäßig in einer Moschee betest, ist ihr Aushang der Maßstab — schon aus praktischen Gründen, damit du die Gemeinschaftsgebete triffst. Frag im Zweifel im Gemeindebüro nach, welcher Kalender verwendet wird; das ist eine gewöhnliche und häufig gestellte Frage. Zu Hause allein kannst du der Methode deiner Gemeinde folgen oder der vorsichtigeren Seite.

→ Gebetsrichtung finden — Live-Qibla-Kompass