Freitagsgebet in Deutschland: Wann beginnt die Zeit wirklich?

Viele Moscheen in Deutschland hängen für das Freitagsgebet eine feste Uhrzeit aus, oft 13.30 oder 14.00 Uhr. Das ist praktisch, weil Berufstätige planen müssen. Astronomisch betrachtet ist die zugrunde liegende Zeit aber nicht fest: Dhuhr wandert im Jahresverlauf erheblich. Dieser Artikel zeigt, um wie viel.

Woran das Freitagsgebet hängt

Die Zeit des Freitagsgebets beginnt nach verbreiteter Auffassung mit dem Eintritt der Mittagszeit, also mit Dhuhr, und endet mit dem Beginn von Asr. In Deutschland ist dieses Fenster im Sommer sehr breit und im Winter schmal — am 21. Dezember liegen in Berlin zwischen Dhuhr um 12.09 Uhr und Asr um 13.44 Uhr nur 95 Minuten, am 21. Juni zwischen 13.13 und 17.39 Uhr dagegen mehr als vier Stunden.

Wie stark Dhuhr im Jahr wandert

In Berlin beginnt Dhuhr am 21. Dezember um 12.09 Uhr, am 9. Februar um 12.26 Uhr und am 21. Juni um 13.13 Uhr. Die Spanne beträgt also gut eine Stunde. Ein großer Teil davon geht auf die Sommerzeit zurück, der Rest auf die Zeitgleichung, also die Ungleichmäßigkeit des Sonnenlaufs über das Jahr. In Köln liegen die entsprechenden Werte bei 12.35, 12.51 und 13.39 Uhr.

Warum die Städte auseinanderliegen

Deutschland erstreckt sich über rund neun Längengrade, und ein Längengrad entspricht vier Minuten Sonnenzeit. Deshalb beginnt Dhuhr am 9. Februar 2027 in Berlin um 12.26 Uhr, in Hamburg um 12.39, in Frankfurt um 12.44, in Stuttgart um 12.42, in Köln um 12.51 und in Duisburg um 12.52 Uhr. Zwischen Berlin und Duisburg liegen 26 Minuten. Eine feste Freitagsuhrzeit, die in Berlin knapp nach Dhuhr liegt, kann in Duisburg noch davor liegen.

Deshalb verschieben Moscheen ihre Zeiten

Aus genau diesem Grund ändern viele Gemeinden ihre Freitagszeit zwei- bis dreimal im Jahr, meist zur Zeitumstellung. Wer neu in eine Stadt zieht, sollte die Uhrzeit deshalb direkt bei der Gemeinde erfragen und nicht aus einer App ableiten — die App zeigt den Beginn der Zeit, nicht den Beginn der Predigt.

Was die Zeitumstellung ändert

Am letzten Märzsonntag springt Dhuhr über Nacht um eine Stunde nach hinten, am letzten Oktobersonntag um eine Stunde nach vorn. Astronomisch ändert sich nichts; nur die Zahl auf der Uhr. Für das Freitagsgebet hat das aber eine sehr konkrete Folge: eine Gemeinde, die im Winter um 13.00 Uhr beginnt, liegt im Sommer mit derselben Uhrzeit plötzlich vor Dhuhr. Deshalb ist die Umstellungswoche der übliche Zeitpunkt für die Änderung des Aushangs.

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